Friedhofen Rechtsanwälte, Arbeitsrecht

Die stille Gesellschaft

Die stille Gesellschaft gemäß § 230 HGB kommt in der Praxis eher selten vor, jedenfalls erhält manals Außenstehender von ihr - wie der Name "stille Gesellschaft" schon sagt - in der Regel keine Kenntnis.

1. Wesen der stillen Gesellschaft

Bei der stillen Gesellschaft beteiligt sich ein stiller Gesellschafter an einem Handelsgewerbe eines anderen, indem er eine Einlage leistet, die in das Vermögen des anderen Gesellschafters übergeht und an dessen Gewinn und Verlust der stille Gesellschafter beteiligt wird.

2. Haftung des stillen Gesellschafters

Der stille Gesellschafter haftet gegenüber dem Gewerbetreibenden, an dessen Handelsgewerbe er sich beteiligt, für die Erbringung der vertraglich vereinbarten Einlage. Eine darüber hinaus gehende Haftung, insbesondere eine Haftung für Verbindlichkeiten des Gewerbetreibenden, gibt es nicht.

3. Rechte des stillen Gesellschafters

Die Rechte des stillen Gesellschafters sind sehr übersichtlich, sie bestehen im wesentlichen aus einem Gewinnausschüttungsanspruch gemäß § 232 HGB, einem Kontrollrecht gemäß § 233 HGB und einem Auseinandersetzungsanspruch gemäß § 235 HGB.

Nach § 232 Abs. 1 HGB wird am Ende des Geschäftsjahres eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellt und der auf den stillen Gesellschafter entfallende Gewinn an ihn ausgezahlt. Ist ein Verlust eingetreten, nimmt der stille Gesellschafter gemäß § 232 Abs. 2 HGB an diesem Verlust bis zum Verbrauch seiner Einlage teil.

Das Kontrollrecht des stillen Gesellschafters gemäß § 233 HGB reduziert sich auf einen Anspruch auf Mitteilung des Jahresabschlusses und einen Anspruch auf Einsicht in die Geschäftsbücher und Geschäftspapiere.

Schließlich hat der stille Gesellschafter im Falle der Beendigung der stillen Gesellschaft einen Auseinandersetzungsanspruch. Dieser besteht in einem Anspruch auf Auszahlung seines Guthabens nach § 235 Abs. 1 HGB.

4. Vor- und Nachteile der stillen Gesellschaft

Die stille Gesellschaft birgt für den stillen Gesellschafter ein äußerst geringes Risiko, da er nicht mehr verlieren kann oder riskiert als seine nach dem Gesellschaftsvertrag zu leistende Einlage. Allerdings sind auch die Möglichkeiten äußerst beschränkt; der stille Gesellschafter hat keinerlei Einfluss auf die Geschicke der Gesellschaft und ist von den Fähigkeiten und vom Erfolg des Gewerbetreibenden abhängig. Für jemanden, der sich mit dem Alltagsgeschäft nicht beschäftigen möchte, den Fähigkeiten seines gewerbetreibenden Mitgesellschafters traut und ein möglichst geringes wirtschaftliches Risiko eingehen möchte, kann die stille Gesellschaft aber interessant sein.

 

Footer